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Wie oft gehst du in den Wald?


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Es ist ein kühler Morgen im Herbst, in meinem Bauch kribbelt die Vorfreude auf den heutigen Tag.
Ein Tag im Wald. Bäume pflanzen.
Ich bin auf dem Weg zur Baumpflanzaktion der Waldschule Zehlendorf, Bettina aus dem Team hatte mich bereits vor ein paar Wochen eingeladen. Jedes Jahr finanziert Kiezbett mehrere Baumpflanzaktionen in Zusammenarbeit mit den Berliner Forsten, um den vorhandenen Monokulturen entgegenzuwirken und Mischwälder zu fördern. Für jedes verkaufte Kiezbett werden 4-10 Bäume gepflanzt, diesmal sind es Wildlinge der Traubeneiche, wie ich später lernen werde.
Das Laub knistert unter meinen Füßen, mein ganzer Körper entspannt sich sofort, als ich den ersten Schritt auf den Waldboden setze. Frische, kühle Herbstluft, der Wald strahlt in sanften Rot-, Orange- und Gelbtönen. Tiefes, lauschiges Eintauchen in ein Baum- und Blättermeer.
In der Waldschule angekommen, begrüßt mich Bettina herzlich, es wird Kaffee und Tee angeboten, die Stimmung ist entspannt und noch ein wenig verschlafen. Ich setze mich, komme an und beobachte das Geschehen. Immer mehr Kinder trudeln ein und erkundigen das urige Häuschen. "Das ist ein Mäusebussard!" stellt ein Kind freudig fest "und das ist ein Dachs!". 
Der Raum der Waldschule ist bestückt mit ausgestopften Tieren, die zum Lernen und Erforschen anregen. Der Junge kennt fast alle Tiere und benennt jedes Exemplar stolz, als würde er seinem Vater Unterricht geben wollen.
So langsam versammeln sich alle, wir machen einen kurzen Vorstellungskreis und jede*r teilt, was für einen Gegenstand aus Holz für sie/ihn wichtig ist. Bei mir ist es natürlich ein Kiezbett. Gleich nach meinem Skizzenbuch ;). Gemeinsam gehen wir durch den Wald zu der Stelle, an der heute gepflanzt werden soll.
"Wie oft gehst du in den Wald?" fragt mich ein Mädchen bei unserem Spaziergang. "Viel zu selten" ist meine Antwort. "Und du?" frage ich sie zurück. "Früher waren wir öfter".
Wir alle brauchen mehr Wald in unserem Leben.


Als wir uns an der ausgewählten Stelle wieder zusammengefunden haben, zeigt uns Bettina, wie man einen kleinen Jungbaum pflanzt. Ein ordentliches Loch mit dem Spaten von zwei Seiten stechen, die Erde ausheben, ganz vorsichtig den Wildling an den Rand des Lochs setzen, danach die Erde wieder vorsichtig in das Loch einlegen. 
Die kleinen Pflänzchen sind noch unfassbar verletzlich, ihre Wurzeln noch ganz dünn. Es wird Jahrzente dauern, bis dieses Pflänzchen zu einer großen Eiche herangewachsen ist. 
Man kann das Alter der Bäume besonders bei den umstehenden Kiefern gut erkennen, nämlich an der Anzahl und den Abständen der Astquirle, erklärt mir Bettina später.



Es gibt unter anderem so viele Kiefern in Brandenburg, weil sie, als eine der wenigen Baumarten, auch auf sandigem Boden gut wachsen. Ich lerne so viel verschiedenes an diesem Tag, allein die Präsenz mit dem Wald, den Bäumen und der Erde lässt mich zur Schülerin werden.

Kinder und Eltern, alle pflanzen fleißig die Bäumchen und geben sich Mühe bei der Auswahl des Standorts. Die jungen Eichen sollen ja auch schließlich einen bestmöglichen Startplatz bekommen. Danach gibt es eine kurze Pause mit Kaffee und Tee, besonders der hausgemachte, süße Traubensirup kommt bei den Kindern natürlich ausgesprochen gut an.

Wir spazieren alle gemeinsam zurück, ich werde jedoch immer langsamer, gebannt von den Farben und Eindrücken der Natur, vertiefe ich mich mit meiner Kamera in die Bilder des Waldes. Wieder an der Waldschule eingetroffen,  gibt es ein kleines Lagerfeuer und wir grillen...
...keine Marshmallows, sondern Apfelscheiben mit Zimt!
Na gut, die Marshmallows werden später auch noch ausgepackt ;) Tatsächlich ist das sogar mein klebriges Marshmallow-Debut, ich bleibe aber dann doch lieber bei den Äpfeln. Gebannt von Feuer und der Grillaktion kommen Eltern und Kinder zusammen, tauschen sich aus und verweilen in der lauschigen Gemeinsamkeit. Als sich alles dem Ende neigt, gehe auch ich langsam meinen Nachhauseweg an.
Die Lunge voller Waldluft, der Kopf gefüllt mit neuem Wissen, beseelt und bereichert, stapfe ich wieder zurück über das knisternde Laub. Die Backen rot voller Lebendigkeit.
Nicht nur im Wald wurde heute neues Leben gepflanzt.